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Bericht über die Arbeitstagung der Freien Akademie vom 2. bis 5. Juni 2011 in der Frankenakademie Sc

 

Bericht über die Arbeitstagung der Freien Akademie vom 2. bis 5. Juni 2011 in der Frankenakademie Schloss Schney zum Thema:

 

„Gentechnik - Möglichkeiten und Grenzen“

 

 

Nach Begrüßung durch den Präsidenten der Freien Akademie, Dr. Volker Mueller, gedachten die Anwesenden des verstorbenen langjährigen Präsidenten und späteren Ehrenmitglieds der Freien Akademie, Prof. Dr.-Ing. Jörg Albertz (1936 - 2010), in einer Schweigeminute.

Jörg Albertz hat wie kein anderer die Freie Akademie geprägt sowie deren Zusammenhalt und zugleich den wissenschaftlichen Diskurs gefördert. Sein Tod ist menschlich und fachlich ein sehr großer Verlust, auch über die Freie Akademie hinaus.

 

Vortrag von Prof. Dr. Rolf Röber: Von Jean-Baptiste de Lamarck und Charles Darwin über Gregor Mendel bis James Watson und Francis Crick, und weiter?

Als Tagungsleiter begann Herr Röber mit der Frage, warum die Gentechnik in der Öffentlichkeit diskutiert wird.

  • Sind es mögliche von der Gentechnik ausgehende Gefahren?
  • Was beunruhigt und dabei?
  • Gibt es Aspekte des Nutzens dieser Techniken?
  • Wozu ist die Gentechnik sonst noch gut?

Zudem wies er darauf hin, dass das Tagungsthema im Seminar schwerpunktmäßig am Beispiel der Pflanzen abgehandelt werden sollte, weil die Anwendung dieser Techniken von der Allgemeinheit dort besonders kritisch gesehen wird.

Züchtung durch Auslese allein sowie Kreuzung mit folgender Auslese an Pflanzen und Tieren gibt es schon lange. Die Auslese hat seit etwa 7000 Jahren zu zahlreichen Kulturpflanzen geführt und später in Verbindung mit der Kreuzung sogar zu neuen Arten und Sorten. Qualität und Erträge der Pflanzen sind durch diese Verfahren zudem signifikant erhöht worden. Die Möglichkeiten der Anwendung der Gentechnik zeigte er am Beispiel der Ausprägung roter Blütenfarben an Forsythien auf. Es folgte eine Betrachtung biologischer Fakten von der Entdeckung der Mendelschen Regeln als Grundlage der Kreuzungszüchtung bis hin zur Gentechnik.

Nach seiner Einleitung stellte er einige historische Fakten der Evolution vor, erläuterte die drei Mendelschen Regeln und legte dar, dass durch gezielte Anwendung der Unabhängigkeitsregel und schon bei nur zwei verschiedenen Merkmalen eines Lebewesens eine Neukombination bezüglich der beiden Merkmale in der zweiten Filialgeneration möglich ist. Mutationen sind aber auch zufällig durch Einwirkung der kosmischen Strahlung möglich. Die Natur braucht diese Variationen zu ihrer Weiterentwicklung und zur Anpassung an die variierenden natürlichen Verhältnisse. So können z.B. Arten aus völlig unterschiedlichen Familien durch sog. Konvergenz am selben Standort sehr ähnliche Formen ausbilden.

Im zweiten Teil seines Vortrages ging es Röber um die Veränderung an den Genen, die weder durch Umwelteinflüsse noch durch Auslese erfolgt sind. Grundlage ist die Erkenntnis: Es gibt einen einheitlichen Code für die Ausbildung und Entwicklung aller Lebewesen (Viren, Bakterien, Pflanzen, Tiere). Nur fünf organische Basen sind verantwortlich für den Aufbau organischer Substanz aus Aminosäuren. In der Gentechnik wird über den Eingriff in diesen Weg durch Menschenhand auf das Genom der Lebewesen gezielt Einfluss genommen.

Abschließend wandte er sich der Frage zu, wie diese „Evolution durch Menschenhand“ vonstattengeht und welchen Stellenwert die Gentechnik zukünftig einnehmen wird. Sein Vortrag schloss mit einem Blick auf die Zukunft und die möglichen Vor- und Nachteile der Gentechnik.

 

Vortrag von Frau Prof. Dr. Traud Winkelmann: Gentechnik bei Pflanzen – Methoden, Anwendungen und Chancen

Die Vortragende begann ihren sehr anschaulichen Grundlagenvortrag mit einer Zielformulierung: Die ZuhörerInnen sollen danach ihre eigene Meinung über Gentechnik auf eine festere Basis stellen können .

Nach einer Einführung in die Definition der Gentechnik, die eine dauerhafte Veränderung einer Pflanze beinhaltet, wurde aus einem Gesetzestext zitiert, wonach alles, was in der Natur nicht vorkommt, Gentechnik ist. Dabei bezeichnet man technisch eingebrachte Gene als sogenannte Transgene. Es gibt für die Gentechnik drei wesentliche Voraussetzungen: Vermehrung von DNA, Kleben von Abschnitten und die Einfügung von DNA-Abschnitten. Die Arbeitsweise in der Gentechnik ist dabei im Allgemeinen wie folgt: Gene isolieren, Integration in ein Genom und anschließende Analyse.

In einem nächsten Abschnitt referierte Frau Winkelmann dann über Methoden des Gen-Transfers. Dabei gibt es den direkten (z.B. mit einer Partikelkanone über kleine Teilchen aus Gold) als auch den indirekten Transfer (über Bakterien). Im Weiteren schilderte sie, wie man anschließend von der Basis eines Blattes zur ganzen Pflanze gelangen kann. Dabei werden nur die Sprosse, die das neue Gen tragen, selektiert. Dieses erfolgt über sogenannte Selektionsmarker.

Der Vortrag ging nun von der gentransformierten Pflanze zum Freilandversuch über. Dieses wird von der Risikoforschung begleitet. Ziele sind hier: Sicherheit, Wahlfreiheit (Kennzeichnung) und Koexistenz von Transgenen und genetisch nicht veränderten Pflanzen. Der Bereich der Anwendungen liegt vorwiegend im Nutzpflanzenbereich. Hier wurde auf sogenannte „Inputtraits“ (z.B. Krankheitsresistenz, Stressresistenz- Trockenstress), „Outputtraits“ (Qualitätsverbesserung, Lagerungsfähigkeit) als Züchtungshilfen (z.B. Blühverfrühung) eingegangen. Als Beispiele wurden Soja, Mais, Baumwolle und Raps erwähnt. Die Verfahren bieten große Chancen, sowohl einen Beitrag zur Ernährungssicherung der wachsenden Weltbevölkerung zu leisten als auch den Pestizideinsatz zu vermindern.

 

Vortrag von Prof. Dr. Jörg Kleiber: Gentechnik in der Medizin

Herr Kleiber richtete seinen Blick zunächst in die Historie und in die geschichtliche Entwicklung der Gentechnik. Diesen teilte er in die Abschnitte der frühen Entwicklungen der Genetik, in die Epoche nach 1970 und in das große Zeitalter der Gentechnik ein. In dieser Periode wurden grundlegende Schritte sowohl zur DNA-Klonierung als auch zur Humangenomsequenzierung gemacht.

Im Hauptteil seines Referates ging er auf Therapiefragen im Rahmen der Humanmedizin ein und stellte dieses anhand von Beispielen, wie die gentechnische Insulinproduktion dar. Die rekombinanten Verfahren mit Proteinen wurden gegenüber gestellt zu den üblichen chemisch-synthetischen Verfahren. So ist z.B. bei der Therapie von Diabetes-Erkrankungen zu wenig „natürliches“ Insulin vorhanden (bei ~240 Millionen Diabetikern weltweit). Gentechnische Verfahren werden zur Gewinnung von Insulin und auch zur Produktion anderer Pharmazeutika verwendet. Als weiteres Beispiel gab er die Herstellung von Herceptin (Trastuzumab) als Mittel gegen Brustkrebs an. Es wird nicht mit Bakterien erzeugt, sondern mit Säugetierzellen (Maus). Bei der Anwendung muss der Tumor vor der Behandlung analysiert werden, ob Rezeptoren an den Tumorzellen vorhanden sind, um die Antikörper erfolgreich wirken zu lassen. So unterstützt das Immunsystem die Zerstörung der Krebszelle und die Zelle wird empfindlicher für eine Behandlung mit Chemotherapeutika. Diese Diagnostik und Behandlung sind auf den einzelnen Patienten bezogen (personalisiert).

In seinem Vortrag ging Herr Kleiber auch auf die Stammzellentherapie ein. Bei dem Ansatz der „kausalen Therapie“ werden einzelne Gene substituiert. Dabei gesetzlich verboten ist nach wie vor die Manipulation von Keimzellen. Er stellte die invivo- und exvivo-Verfahren kurz vor und wies auf mögliche Gefahren und Probleme hin. Mit Hilfe dieses Verfahrens kann u.U. degeneriertes Gewebe (aus Stammzellen) ersetzt werden. Zum Anschluss gab er noch einen interessanten Ausblick in die Epigenetik.

 

Kurzreferat von Björn Grüning: Streptomyzeten

Streptomyzeten sind weit verbreitete Bodenbakterien mit einzelligen Strukturen. Sie haben einen robusten Sekundärstoffwechsel und stehen in symbiotischer Beziehung zu Bäumen, denen sie pathogene Pilze fernhalten. Aus diesen Bakterien werden mit Hilfe von Gentechnik Antibiotika und Bioalkohol hergestellt. Dieses könnte herkömmliche Verfahren zur Herstellung von Ethanol ersetzen – ebenso z.B. von Kerosin. Auch in der Abfallverwertung spielen diese Streptomyzeten eine große Rolle.

 

Kurzreferat von Dr. Dr. Jan Brettschneider: Biophilosophie der Gentechnik

Der Vortragende zeigte, wie in der Gentechnik mehrfach zwei bipolare Phänomene menschlichen Seins zum Tragen kommen. Als Beispiel sei nur die Dialektik zwischen Teilen und Ganzem genannt. Das Gen ist beides: Ganzes insofern, als Bestandteile (Stickstoffbasen, Pentosen, Phospat) immer im Komplex wirksam sind; Teil insofern, als ein DNA-Strang an bestimmter Stelle eingebettet ist.

 

Arbeitsgruppen

Die dann folgenden zwei Arbeitsgruppen ermöglichten es, mit den ReferentInnen weitere Fragen zu erörtern und die gesellschaftlichen, ökonomischen und ethischen Dimensionen der Gentechnik herauszuarbeiten. Möglicherweise beziehen sich die Hauptbedenken gegen die Gentechnik nicht auf die Technologie und die Produkte selbst, sondern auf deren Vermarktung durch Konzerne und die Verzweckung von Anbauflächen in Hungerländern in unvorstellbarer Größe durch diese Konzerne. Diese Böden fehlen dann der notleidenden Bevölkerung, die selbst über die Verwendung der Flächen bestimmen sollte und diese Flächen dann primär für den eigenen Bedarf und nicht für den Export zum Vorteil ausländischer Investoren nutzen würde.

 

Vortrag von Prof. Dr. Hans-Jörg Jacobsen: Nachhaltigkeit in der Pflanzenproduktion

Der Vortragende ging zu Beginn auf die Frage der Nachhaltigkeit ein, einen Begriff, der häufig missbraucht wird: Für Jacobsen ist die Balance aus Ökonomie, Ökologie und sozialer Akzeptanz eines Handelns entscheidend. Er stellte die Situationen in Europa und in den Entwicklungsländern gegenüber, z.B. sind bei uns die Preise niedrig, jedoch die Märkte abgeschlossen. In den Entwicklungsländern andererseits herrschen häufig Wasserknappheit, Überbevölkerung, werden Uraltpestizide nicht fachgerecht verwendet und veraltete Technologien eingesetzt.

So stehen wir vor enormen Herausforderungen: Um 2,3% wächst die Erdbevölkerung jährlich, ca. eine Milliarde Menschen hungern, eine weitere Milliarde ist mangelhaft ernährt (Proteinmangel) und jährlich verschwindet ca. 1% fruchtbarer Boden.

Sein erstes Fazit ist, dass der Planet Konstruktionsfehler hat: Das meiste Ackerland befindet sich v.a. in den Weltregionen, in denen die Bevölkerung nicht wächst. Daraus ergibt sich eine Intensivierung der Pflanzenproduktion. Außerdem wirkt sich die globale Erwärmung auf die Pflanzenproduktion aus. Jede landwirtschaftliche Aktivität beeinflusst das Ökosystem der Erde. Jacobsen hält es zudem für  fahrlässig das Wissen und die Technologien zum Anbau von besonders ertragreichen aber transgenen Pflanzen den Entwicklungsländern vorzuenthalten, z.B. durch (in der EU nicht erlaubte) Genpatente.

Sein weiteres Fazit: Nachhaltigen Anbau nicht auf den sog. ökologischen Landbau reduzieren, da dieser etwa Landbau 40% weniger Produktivität erbringt.

 

Vortrag von Prof. Hans-Jörg Jacobsen: Probleme der Pflanzenproduktion und gentechnische Lösungen

Der Vortragende sprach sich dafür aus, Gentechnik im Pflanzenbau nur einzusetzen, wenn Probleme konventionell nicht lösbar sind. Es geht dabei um Problemlösungen, nicht um Technologien. Diesen Grundsatz vertrat später genau so die Agrobiologin und Genskeptikerin Dr. Martha Mertens.

Gentechnik wird zur Unkrautbekämpfung verwendet, indem die Nutzpflanze durch transgene Veränderungen gegen bestimmte Herbizide resistent gemacht wird. So sind Pflanzen einiger transgener Sojasorten resistent gegen Totalherbizide vom Typ Round-up. Eine Gefahr besteht darin, dass auch die Unkräuter resistent gegen bestimmte Herbizide werden können. Die Wirkstoffe der angewandten Herbizide sollten daher variiert werden. Dieses ist aber kein gentechnisches Problem, sondern ein Managementproblem.

Angesichts des Klimawandels und dem damit verbundenen lokalen und periodischen Wassermangel wäre es ein notwendiges Ziel, auf gentechnischem Weg Pflanzensorten mit mehr Erntegut bei geringerem Wasserbedarf zu erzeugen. Zum Beispiel wurde in Ägypten eine Ackerbohnensorte mit hoher Trockentoleranz gentechnisch durch Einbau eines Trockenstress-Gens aus der Kartoffel gezüchtet.

Einen dritten Anwendungsbereich der Gentechnik stellt die Schädlingsbekämpfung dar, z.B. bei der Bekämpfung des Maiswurzelbohrers. Hier ist die Zuhilfenahme der Gentechnik besonders schwierig, da der Schädling sich zunächst im Boden aufhält (Larven) und die Ausbringung von Insektiziden auf Böden wenig nachhaltig ist.

Bei Äpfeln kann dem Apfelschorf, einer Pilzkrankheit auf gentechnischem Weg begegnet werden, so dass das intensive Spritzen mit Kupferpräparaten nicht mehr notwendig ist. Kupfer baut sich im Boden zudem sehr langsam ab. Mit dem Gen wird außerdem ein Stoff (Anthocyan) gebildet, der auch vor Arteriosklerose schützen kann.

In der Summe kann Gentechnik also die Umwelt entlasten, Kosten (an Pflanzenschutzmitteln, an Arbeitskräften, etc.)  sparen, den Ertrag steigern und die Qualität von Nahrungsmitteln erhöhen, eine bessere Anpassung an die Umwelt erwirken sowie Kleinbauern in Schwellen- und Drittländern zu höherem Einkommen verhelfen.

Ethisch gesehen, sollten wir nicht immer reflektieren, was passiert, wenn wir etwas tun, sondern besonders bedenken, was passiert, wenn wir etwas unterlassen. Landwirtschaft unter Verwendung gentechnisch positiv veränderter Pflanzen setzt auch Potenzial frei, Kinder zur Schule zu senden und Infrastruktur aufzubauen.

Hinsichtlich der Langzeitfolgen der Anwendung der Gentechnologie kann man wissenschaftlich freilich nichts ausschließen, sie sind jedoch eher sehr unwahrscheinlich. Ein Verbot des Einsatzes der Gentechnik dient einigen Politikern vornehmlich zur ihrer populistischen Profilierung.

 

Vortrag von Dr. Martha Mertens: Risiken der Agrogentechnik

Die Agrobiologin und Engagierte im BUND wies auf drei Problembereiche der Gentechnologie hin: (1) jene beim Gentransfer, (2) die ökologischen Risiken und (3) die sozio-ökonomischen Risiken (national und global).

Zu (1): Hier ist die Irreversibilität des Eingriffs in Erbmaterial zu erwähnen, ohne das Genom vollständig zu kennen. Auch können Freilandbedingungen in einer anderen Weltregion anders sein und wirken als am Ort der Entwicklung. Ebenfalls gibt es unerwartete Effekte. Zum Beispiel zeigt mehltauresistenter Weizen eine höhere Empfindlichkeit gegen Mutterkorn und bietet deutlich weniger Ertrag. Weiterhin sind die Gesundheitsrisiken für den Menschen zu nennen: neue Allergien, Antibiotikaresistenzen. Der gentechnisch bedingte erhöhte Einsatz von „Round-up“-Produkten könnte menschliche Zellen schädigen (Rückstandsprobleme). Toxische Effekte auf Tier und Mensch, besonders im embryonalen Zustand, sind zu befürchten. Die Studien zur Lebensmittelsicherheit sind oft nicht von unabhängigen Stellen, sondern z.B. von Firmen in Auftrag gegeben worden.

Zu (2): Die genannte Irreversibilität steht in Spannung zum Vorsorgeprinzip für künftige Generationen. Beim gemischten Anbau ist die Übertragung von Transgenen auf andere Organismen möglich. Da die Herbizid- und Insektenresistenz im gentechnischen Bereich sehr hoch ist, steigert dies u.U. den Herbizidverbrauch. Dies hat negative Wirkungen auf die Artenvielfalt bei Pflanzen und Tier. Dies wiederum wirkt sich negativ auf Nahrungsketten, Bienenhaltung, etc. aus. Round-up beeinträchtigt auch die Bodenflora und damit die Bodenfruchtbarkeit. Sekundärschädlinge treten auf, denn durch die jetzt sehr gezielten Pestizideinsätze bleiben weitere Schädlinge unbehelligt.

Zu (3): Gentechnologische Landwirtschaft wird oft im großen Stil betrieben und bedeutet zunehmende Abholzung von (Regen)-Wäldern und Enteignung sowie Vertreibung von Kleinbauern. Über Monokulturen, die durch transgene resistente Pflanzen in noch größerem Maße möglich sind, werden oft ganze Nationen am Tropf von korrupten Regierungen und Konzernen gehalten. Patente auf gentechnisch verändertes Saatgut, etc. behindern frei zugängliches Wissen, dessen Verfügbarkeit und frei zugängliches Saatgut.

Insgesamt plädiert die Vortragende für mehr biologischen Landbau, der in heute verarmten Ländern sowieso mehr Potenzial hat als bei uns.

 

Kurzreferat von Peter Reuther: Das Problem der Genetik in der literarischen Überhöhung

Vorgetragen wird von einer Gesellschaft mit menschlichen Klonen, in der die Mitglieder darauf hin betrachtet werden, ob sie „sich rechnen“. „Dabei steht der Mensch mit seinem Streben, den wirtschaftlichen Erfolg über die Ethik zu stellen, als Ausgangspunkt.“ Reuther weist insbesondere auf die denkbaren Schäden hin, die entstehen, wenn die gesellschaftlichen Zustände mehr zulassen als sozial verträglich. Er zitierte dazu einigen Passagen aus seiner Publikation „Das Experiment“.

 

Kurzreferat von Prof. Dr. Rolf Röber: Monsanto und andere…? oder Mastvieh in Deutschland

Die Sojaproduktion auch für die Aufzucht von Mastvieh bei uns geschieht vornehmlich großflächig in Ländern, die über die hinreichenden Agrarflächen verfügen. Interessanterweise gehören diese großen Flächen i.d.R. nicht ortsansässigen Bauern sondern Agrarkonzernen mit Geschäftssitz auch in Europa. Hinzu kommt, dass Ausgang der Sojaproduktion heutzutage >80% mit Unkrautresistenzgenen bearbeitetes Saatgut ist, um der Unkrautplage auf den Feldern in den zuvor genannten Ländern Herr zu werden.

Das gewonnene Sojamehl wird einerseits direkt für Nahrungsmittel verwendet, sei es als Geschmacksverstärker oder als Bioboulette (Tofu aus Sojamilch), in der Hauptsache jedoch als Futtermittel für die Tiermast zur Fleischproduktion, so auch bei uns. Der Fleischverzehr in 2009 betrug  ~88,2 kg/Person+Jahr, d.i. ~1,7 kg/Person+Woche. Mäßiger Fleischverzehr von etwa 200 g/Person+Woche, wie in maßvolleren Zeiten in Form des Sonntagsbratens üblich, sollte doch wohl ausreichen, oder?

 

Arbeitsgruppen

In den anschließenden zwei Arbeitsgruppen wurden die bisherigen Erkenntnisse vertieft diskutiert. Die Tagungsteilnehmer haben sehr offen und kritisch eine gentechnisch veränderte Pflanzenproduktion der Zukunft angesprochen. Verständnisfragen wurden von den jeweils anwesenden ReferentInnen bereitwillig beantwortet und die Antworten interpretiert.

 

Vortrag von Frau Prof. Dr. Evelyn Klocke: Gentechnik und Lebensmittel

1994 war eine Tomatensorte das erste gentechnisch veränderte Gemüse. Es gelang, die Reife zu verzögern, so dass die Tomaten auf dem Transport nicht weiter nachreiften und nicht matschig wurden. 1998 kamen dann amerikanische Süßigkeiten mit transgenem Mais auf den Markt. Heute gibt es in Deutschland direkte transgene Produkte, wie Obst, Gemüse, Fleisch oder Fisch nicht, aber verarbeitet in Lebensmitteln schon. Dann besteht allerdings Kennzeichnungspflicht ab >0,9% gentechnisch veränderte Bestandteile.

Die unerwünschte Antibiotikaresistenz bei Bakterien ist für den Menschen wohl kaum mit großen Gefahren verbunden. Der Anstieg von Resistenzen nach Einbau von Antibiotika-Genen in Pflanzen ist nämlich bislang nicht nachgewiesen worden.

Lebensmittelallergien stellen objektiv kein gentechnisch spezifisches Risiko dar. Man kann sogar durch Gentechnologie allergen wirkende Lebensmittel entschärfen, z.B. beim glutenfreien Weizen geschehen. Pflanzliche Nahrungsmittel können durch Gentechnologie generell verbessert werden, wie z.B. „Golden Rice“, der mit Vitamin A angereichert ist.

Seit 2004 ist die Zulassung von transgenen Lebensmitteln auf EU-Ebene angesiedelt. Zugelassen werden die Pflanzen (z.B. transgener Mais), nicht z.B. die Schokolade aus dieser Pflanze. Bisher sind als Lebensmittel nur transgener Mais zum Verzehr zugelassen, für den Anbau Mais und Kartoffeln und als Futtermittel (Einfuhr) am meisten v.a. Soja.

Gekennzeichnet werden muss, was direkt aus transgenen Pflanzen, nicht was mit Hilfe transgener Pflanzen hergestellt wird, z.B. Fleisch von Tieren, die mit transgenen Pflanzen gefüttert wurden. 75% des Käses in Deutschland ist mit transgen hergestelltem Labenzym produziert worden, das sonst aus den Mägen von sehr jungen Kälbern gewonnen werden müsste.

Die Bezeichnung „ohne Gentechnik“ ist nicht geschützt und sagt nichts aus. Nur umgekehrt: „Hergestellt mit gentechnisch veränderten Pflanzen ...“ hat verbindlichen Aussagewert.

Gentechnik in Humanmedizin (Arzneien) ist viel mehr akzeptiert und verbreitet als bei Lebensmitteln. Zum Schluss nannte die Vortragende noch zwei wichtige Internetadressen für besonders Interessierte: www.transgen.de und www.biosicherheit.de.

 

Musischer Abend

Abschließend sei noch der Musische Abend am Samstag, 04.06.2011, hervorgehoben, den Dietwart Inderfurth (Violoncello), Wiltrud Inderfurth (Violine, Altblockflöte) und Sohn Till Menke (Moderation) sowie Gregor Verlande (Pianoforte) der Tagungsgesellschaft boten. Vorgetragen wurden Stücke von Vivaldi, Schubert und Beethoven, aber auch solche von eher selten gehörten Komponisten wie Hermann Berens (1826-1880), Wolfgang Camphausen, Hugo Salus (1866-1929) und Erkki Melartin (1875-1937). Mit gekonnter Moderation verstand es Till Menke etwaige Bildungslücken der Zuhörerschaft auf humorvolle Art zu schließen.

 

Akademieforum

Zum Abschluss der Tagung zur Gentechnik wurde traditionell das Akademieforum durchgeführt, das der Präsident Dr. Volker Mueller moderierte. Dabei wurden vor allem Grenzen der Gentechnik diskutiert – wie Humangenom, Ethik, Menschenwürde und Humanismus, ein technischer und militärischer Missbrauch, die Auskreuzung des Transgens, Tierexperimente, die demokratische Legitimation von Kritikern und von der Wirtschaft sowie die Verantwortung der Wissenschaftler und die Kontrolle der Gentechnik. Aber auch die Chancen und Vorteile einer kontrollierten Anwendung gentechnischer Verfahren und ihre gesellschaftspolitische Bedeutung wurden am Ende nochmals zusammengefasst.

 

Bewertung

Die Tagung wurde von den TeilnehmerInnen als sehr erfolgreich und bereichernd eingeschätzt.

 

 

Dieter Fauth/Winfried Halle

 

 
FA Tagungsablauf
 

Flyer FA Tagungsablauf 2011 

 

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